Kleine Chronik des Beeseler Drachenstichs

DER DRACHENSTICH IST EIN MITTELALTERLICHES LEGENDENSPIEL, DAS ALLE SIEBEN JAHRE AUFGEFÜHRT WIRD. DIESES VOLKSSCHAUSPIEL BERUHT AUF DER LEGENDE VON ST. GEORG UND DEM DRACHEN.

Georg wird gegen Ende des 3. Jahrhunderts in einer türkischen Familie in Kappadozien geboren. Er ist Offizier in einer der vielen römischen Legionen im östlichen Teil des Römischen Reiches.Er hält an seinem christlichen Glauben fest und wird dadurch – wie üblich zu seinen Lebzeiten – gefoltert und letztendlich enthauptet. Gut zwanzig Jahre späterwird er heiliggesprochen: Sankt Georg.

Während des ersten Kreuzzuges um 1100 entsteht die Legende von Sankt Georg und dem Drachen. Es ist eine symbolische Interpretation des Kreuzzuges:

Es gibt ein Land (Palestina) und eine Stadt (Jerusalem). Die Stadt liegt in der Nähe eines Meeres (Kaspisches Meer) und sie wird aus den Tiefen des Meeres von einem Drachen (Antichristen)bedroht. Die Atmosphäre wird verpestet (die Pilger werden verjagt) und die Stadt wird bedroht. Leider kann die Stadt der Bedrohung nicht standhalten und sie wird ein Opfer bringen müssen: die Prinzessin (die Heiligtümer preisgeben). Der König (der Papst) ist ratlos und zum Glück bietet Sankt Georg (die Kreuzritter) ihm seine Hilfe an. Im Namen Jesu Christi entreißt er die Prinzessin den Drachenklauen.

Die Legende wird sehr populär und zwischen 1100 und 1200 werden viele Kirchen und Klöster nach Sankt Georg benannt oder sogar zu seiner Lobpreisung gestiftet. Auch Schützengemeinschaften (Stadtwachen) verbinden ihren Namen mit der Legende um Sankt Georg (die Sankt Jorisbruderschaften) oder nehmen ihn als ihren Schutzheiligen an.

Später, gegen Ende des 14. Jahrhunderts wird Sankt Georg als Symbolfigur in der Prozession aufgenommen. Er wird von einem Ritter zu Pferd gemeinsam mit dem Drachen dargestellt. Im 16. Jahrhundert wird der Drache erstmals während einer Prozession von Sankt Georg getötet. Das Gute besiegt das Böse.

In dieser Zeit haben die Schützengemeinschaften in verschiedenen Dörfern nicht nur den Namen ihres Schutzheiligen gemeinsam sondern auch die mit ihm einhergehenden Bräuche. In Beesel wird 1568 eine Schützenbruderschaft unter dem Patronat von Sankt Sebastianus gegründet: “De Sanct Sebastianus schutterrij oder “De broederschap tot Biesel”.

Kaum ein Jahrhundert später heißt sie “De alde schuttereye”, weil eine zweite Schützenbruderschaft unter dem Patronat von Sankt Georg dazugekommen ist (1699 erstmals erwähnt). Wahrscheinlich hat diese Sankt Georgbruderschaft nie eine Darstellung ihres Schutzheiligen in der Beeseler Prozession gekannt, obwohl sie jedoch jährlich eine Sankt Georgsfigur den Drachen töten lässt.

Den frühesten Beleg über den Drachenstich stammt aus dem Jahre 1736. In Beesel versammelt sich die Bevölkerung (am Kirmesmontag) im Schützenlokal und wenn dann genug Leute da sind, erscheinen Sankt Georg und der Drache und wird das Ungeheuer getötet. Das alte Beeseler Sankt Georgslied, das um 1699 entstanden sein soll, wird bereits während der Aufführung gesungen.

Vor der französischen Besatzung (1795-1813) findet der Drachenstich jährlich statt und danach nur noch mit einem Zwischenraum von einigen Jahren. Das populäre Volksspiel ist die Ursache dafür, dass der Drache 1853 im Gemeindewappen aufgenommen wird. Warum man sich für die Drachenfigur (das Böse) entschieden hat, bleibt ungewiss.

Am 9. Mai 1864 wird der Drachenstich zum letzten Mal in der alten Form aufgeführt. Nach dem Zusammenschluss beider Bruderschaften zur neuen Bruderschaft “Schutterij-Broederschap Sint Sebastianus en Sint Georgius” wird das Legendenspiel zu einem umfangreicheren Volksschauspiel umgestaltet. Es gibt jetzt fünf Darsteller mit Textrollen (u.a. Sankt Georg, die Prinzessin, der König)

Am 27. August 1883 wird der Drachenstich erstmals in drei Aufzügen aufgeführt, nämlich das Zähmen des Drachens an der Maas, der Siegeszug durch das Dorf und die Drachentötung auf dem Marktplatz.

Die darauffolgenden Aufführungen finden 1902, 1911, 1919, 1926 und 1935 statt. Im Jahre 1935 wird das “Uitvoerend comité Draaksteken” gegründet. Dieses Komitee wird dazu beauftragt, das Legendenspiel alle sieben Jahre zu veranstalten. Es wird beschlossen, dass die Teilnehmer nicht mehr aussschließlich Mitglied der Bruderschaft sein sollen.

Der Drachenstich 1946 steht im Zeichen des Wiederaufbaus des verwüsteten Turmes der Sankt Gertrudiskirche. Die Bruderschaft gewinnt 1952 das ” Oud Limburgs Schuttersfeest (OLS)” und hat somit die Pflicht dieses große Schützenfest 1953 selbst zu veranstalten. Aus diesem Grund wird der Drachenstich um ein Jahr verschoben. Im Jahre 1960 wird der siebenjährliche Rhythmus wieder aufgenommen.

Aus finanziellen Gründen wird 1967 beschlossen den Drachenstich nur noch an einem Ort (bei der Burg Nieuwenbroeck) aufzuführen. So wird das Freilichtfestspiel ein fester Bestandteil der dreitägigen Drachenfeste. Das Freilichtfestspiel wird 1974 und 1981 um mehrere Darsteller mit Textrollen und Statisten erweitert. Auch wird 1981 die “Stichting Draaksteken” gegründet, die den Drachenstich künftig veranstalten wird. In diesem Jahr finden drei Aufführungen statt.

Seit 1995 gibt es sechs Aufführungen und namentlich die Abendaufführungen geben der historischen Spielstätte wegen der Spezialbeleuchtung eine ganz besonders eindrucksvolle Atmosphäre. Diese Aufführungen sind denn auch ein großer Erfolg.

Im August 2016 wird der nächste Drachenstich veranstaltet. Fast alle Einwohner tragen wieder traditionsgemäß dazu bei um ein prachtvolles Freilichtfestspiel auf die Bühne zu bringen.

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